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Literatur

BücherEsel Ep 69: Nachbeben – Dirk Kurbjuweit

Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah. Ein Zitat aus einem Gedicht von Johan Wolfgang von Goethe und eine passende Einleitung für unsere aktuelle Episode.

Denn wir besprechen ein Buch, was ganz in meiner Nähe spielt, auf dem Kleinen Feldberg im Taunus. Da kommen Heimatgefühle auf, denn ich bin emotional sehr tief mit dieser Region verbunden und oft fahre ich mit dem MTB auf den Feldberg oder seine Nebengipfel. Kein Wunder, dass mich dieses Buch sofort angesprochen hat, als ich darüber gestolpert bin.

Es geht um das Buch Nachbeben von Dirk Kurbjuweit, einem Autor, den man eher als Journalist und Spiegel-Chefredakteur kennt. Dass er nebenbei Bücher schreibt, war mir gar nicht bewusst. Um so besser, dass wir auf sein mehr oder weniger aktuelles Buch, auf ihn aufmerksam geworden sind.

Mehr oder weniger aktuell bedeutet, Nachbeben erschien zum ersten Mal 2004 und wurde 2025 in einer Neuauflage vom Penguin Random Verlag herausgebracht.

In dieser Neuausgabe wurde es dann für das Literaturfest Frankfurt liest ein Buch 2025 ausgewählt und es fanden einige Lesungen mit dem Autor in Frankfurt und Umgebung statt. Falls nicht bekannt, der Feldberg ist quasi der Hausberg der Frankfurter.

Und ich muss sagen, dem Autor ist mit Nachbeben ein spannendes Psychogramm von der Beziehung einer Handvoll Menschen und deren Geheimnisse gelungen.

Die Protagonisten, Luis ein Geophysiker, das Hausmeisterehepaar Konrad und Charlotte, ihr Sohn Lorenz. Sie alle leben auf der Erbebenwarte auf dem Kleinen Feldberg. Eine schicksalshafte Gemeinschaft, die durch Geheimnisse, Halbwahrheiten und Vertuschungen, zerrissen wird. Luis sitzt stundenlang am Seismograf und lauscht den Erschütterungen der Erde, während er seinen Gedanken nachhängt. Mit Lorenz verbindet ihn eine tiefe Freundschaft und er folgt mit Interesse dem Leben des Jungen, der seine große Liebe in einer Erbebennacht kennenlernt. Die Beiden heiraten und gründen eine Familie. Luis hofft, dass er aus seiner Einsamkeit befreit wird, aber die Familie zieht nach Kronberg. Lorenz arbeitet für die Bundesbank und ist ein erklärter Kämpfer für die D-Mark und gegen den Euro. Damit steht er auf der Seite der Verlierer und er ist irgendwie auch ein Verlierer-Typ. Er trifft falsche Entscheidungen und verstrickt sich in ein Netz aus Lügen, Vertuschung und Erpressung. Wirtschaftliche und emotionale Erschütterungen folgen.

Wir versuchen heute ein wenig die Hintergründe aufzudröseln. Sprechen über den Schauplatz, den der Autor als mystisch und geheimnisvoll beschreibt. Immerhin liegt der Kleine Feldberg an 120 Tagen im Jahr im Nebel.

Wir sprechen über den Hintergrund, die Wende, die Währungsreform und die Einführung des Euro. Und natürlich über die spannenden Beziehungen der Protagonisten untereinander. Ohne zu Spoilern. Denn von uns gibt es eine klare Lese-Empfehlung.

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